Veröffentlicht am Do., 2. Nov. 2017 11:06 Uhr

Gemeinden feiern gemeinsamen Gottesdienst

Mit einem gemeinsamen Gottesdienst feierten am vergangenen Dienstag, dem bundesweiten Reformationstag, auch die evangelischen Christen in Bergkamen den fünfhundertsten Jahrestag der Reformation. 

Ausgelöst wurde die Reformation vom Augustinermönch Martin Luther, als dieser seine 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg nagelte, um eigentlich auf die Auswüchse in der damaligen Kirche hinzuweisen, um diese von dem „unbiblischen“ Ballast zu befreien - um „endlich frei zu sein“.

Keine Frage, dass dieses besondere Jubiläum nun in genau jener Bergkamener Kirche gefeiert wurde, die nach dem Reformator benannt ist: in der Martin-Luther-Kirche in Oberaden, die aufgrund des großen Zulaufs der Gemeindemitglieder aus beiden Gemeinden gefüllt war, wie selten zuvor.

Gestaltet wurde der feierliche Gottesdienst samt Abendmahl von den beiden evangelischen Gemeinden gemeinsam: von den Pastoren aus der Friedenskirchengemeinde und der Martin-Luther-Kirchengemeinde, aber auch von deren Vokalchören und Posaunenchören, die mit Liedern, wie „Ein‘ feste Burg ist unser Gott“ und „Ich bin vergnügt, erlöst und befreit“ von Hanns Dieter Hüsch, zu wohlklingenden Einheiten zusammenschmolzen. 

„Doch was bedeutet es nach 500 Jahren Reformation für mich persönlich, evangelisch und frei zu sein“, fragte Pfarrerin Petra Buschmann-Simons dann die Gottesdienstbesucher. „Sehe ich mir die Fotos aus unseren Gruppen an, so stelle ich fest, unsere Gemeinde ist bunt, meist weiblich und musikalisch. Doch steckt noch mehr dahinter?“

Konfirmandin Victoria Baran konnte aus der Jugendarbeit nur Gutes berichten: „Sie ist vielseitig und wohl auch über die Konfessionsgrenzen beliebt. Schließlich haben wir sogar einige katholische Jugendliche in unseren Reihen.“ Barbara Hölken meint: „Frei sein bedeutet für mich: Ja und auch Nein sagen zu dürfen, aber auch Verantwortung übernehmen zu müssen.“ Helmut Hackmann ist überzeugt: „Die evangelische Botschaft wird außen immer noch zu wenig wahrgenommen, dabei ist sie doch die beste Botschaft der Welt.“

Mit „lutherischer“ Leidenschaft stellte Pfarrer Christoph Mathies in seiner Predigt die Frage, ob die evangelische Kirche nach 500 Jahren Reformation ihrem heutigen Motto „einfach frei“ zu sein, denn gerecht werde? Vor fünfhundert Jahren habe Lucas Cranach Luther noch mit der linken Hand auf der Bibel und den rechten Arm auf Jesus weisend gemalt. „Heutzutage haben wir Vorschriften, wie die verbindliche lutherisch-orthodoxe Auslegung des Glaubens, gültige reformatorische Bekenntnisschriften, Kirchenordnungen, Katechismen und anderen Vorgaben. Es fehlen mir die deutlichen Taten des Aufbruchs!“ 

Nach dem Gottesdienst war die Gemeinde eingeladen, an der Enthüllung eines weiteren Gedenksteins neben der Kirche teilzunehmen. In den Gedenkstein aus Anröchter Dolomit  hatte Steinmetz Wolfgang Kerak, der den Stein auch gespendet hat, das Motto „einfach frei“ gemeißelt. Als Mahnung, zur Erinnerung oder zum Nachdenken, das bleibt dem Betrachter überlassen, so Kerak.

Da Bürgermeister Roland Schäfer passenderweise in der Lutherstadt Wittenberg weilte, richtete die Beigeordnete der Stadt Bergkamen, Christine Busch, dessen Grußworte aus.

Pastor Thorsten Neudenberger vom katholischen Pastoralverbund Bergkamen unterstrich in seinem Grußwort das lebendige Miteinander aller Christinnen und Christen in Bergkamen, das in ökumenischen Gottesdiensten, Arbeitskreisen und auch in dem Chorprojekt „Missa4You(th)“ deutlich wird. „Die 1. These vom Martin Luther zeigt uns allen vielleicht aber auch die Richtung an: Tut Buße…“, zitierte Neudenberger. „Buße steht für Besserung und bedeutet, sich am Denken, an den Taten und den Worten von Jesus Christus zu orientieren. Was ebenfalls heißt: Auch die Kirche hat sich immer wieder zu erneuern.“

Anschließend war dann die Gemeinde zu einem bunten Brunch mit Lutherkeksen, Lutherbier und weiteren lukullischen Lutherspezialitäten eingeladen.

Klaus-Dieter Hoffmann / KDH / 31.10.2017

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