Veröffentlicht von Frank Hielscher am Mo., 24. Dez. 2018 10:59 Uhr

Lk 1,26-56

Liebe Gemeinde, liebe Schwestern und Brüder,

Gott kann anders, als wir Menschen so denken. – Das ist zusammengefasst das, was uns der Text und ich uns heute in der Predigt heute sagen möchte. – Gott kann anders, als wir Menschen so denken.

Das beginnt schon mit den ersten Versen des heutigen Predigttextes: Maria, die Jungfrau, wird schwanger werden. – Nun ist es durchaus strittig – schon seit Paulus – ob Maria eine Jungfrau oder nur eine junge Frau war. Es gibt durchaus theologische Gründe für beides. Wir waren nicht dabei. Niemand war dabei, als und wie Maria schwanger wurde. Aber das ist auch gar nicht weiter wichtig. Wichtig ist, was Lukas seinen Lesern und auch uns sagen möchte: Gott kann anders, als wir Menschen denken. – Und dachten.

Denn die Zeugung eines Kindes ohne das Mitwirken eines Mannes? – Undenkbar. – Ein Mann muss her, damit ein Kind geboren werden kann. Ein Mann ist doch die Krönung der Schöpfung, die Frau nur Gehilfin, so die landläufige Auffassung damals und fast bis heute. 

Der Text sagt anderes: Ihr Männer, maßt euch nur nicht mehr an als euch zusteht. Gott kann anders, als ihr denkt. Oder für euch in Anspruch nehmt: Maria wird schwanger durch Gottes Geist und nicht durch einen von euch.

Durch Gottes Geist? – Auch weia. – Ist der doch auch weiblich. Steht bei uns vor dem Geist ein männlicher Artikel, so nicht im Hebräischen: dort ist der Geist eine Geistin. Weiblich. – Und auch im Griechischen lässt die Endung „A“ von pneuma (Geist) erkennen, dass kein Mann zum Zeugungsgeschehen nötig war.

Gott kann anders, als wir Menschen denken. Oder manche für sich in Anspruch nehmen. – Haltet mal den Ball flach, ihr Männer. Gott schafft das auch ohne euch.

Gott kann anders, als wir Menschen denken.

Freuen sich jetzt vielleicht die Frauen, so freute Maria sich sicherlich nicht. Nicht mehr Kind aber auch lange noch nicht Frau. Unverheiratet. Schwanger. Von der Gesellschaft verstoßen, von ihrem Mann falsch verstanden. Allein in ihrer Schwägerin findet sie Verständnis, im alten Simon einen Mann, der ihr Unterschlupf bietet.

Gott kann anders, als wir Menschen denken, Maria an Plänen für ihre eigene Zukunft hatte. Erschreckt wird sie gewesen sein über das, was ihr widerfahren war. – Und stimmt ein in einen Lobgesang. Voller Kraft und Poesie. Erhebt sich über die Last und den Schmutz des Alltags und gewinnt Hoffnung, nein verströmt Hoffnung, wenn Gott es anders macht als sie, als Menschen es sich denken.

Auch, wenn es ihr, der Maria noch nicht so ganz klar war, aber sie glaubt fest: „Gott hat ein Ziel mit mir. Ihr werdet es noch alle sehen! Ich weiß darum, nicht nur was ist, nein auch, was werden wird. Ich habe vertrauen. Ich setze auf Gott. Was er zusagt, hält er gewiss!“

Gott kann anders, als wir Menschen denken. Und manchmal tut er das auch. Davon lässt sich Maria nicht unterkriegen. Denn Gott sieht die Not der Menschen, und er ist ein gnädiger Gott. Seine Barmherzigkeit währt von Ewigkeit zu Ewigkeit ... - ... bei denen, die ihn fürchten.

Und das tat Maria. Sie hatte Furcht, Ehrfurcht vor dem Herrn. Sie empfand Respekt und Demut. Keine Angst. Aber eben das Wissen darum haben, dass Gott anders kann, als wir Menschen so denken. Das wissen. Das fürchten. Aber auch das Vertrauen haben, dass Gott es zum Guten wenden will und wird. – Das glaubte sie. Die Furcht und Ehrfurcht hatte sie. Und wurde so hoch erhoben. 

„Seine Barmherzigkeit währt von Geschlecht zu Geschlecht bei denen, die ihn fürchten. Er übt Gewalt mit seinem Arm, und zerstreut, die hoffärtig (d. h. überheblich und selbstgerecht) sind in ihres Herzens Sinn. Er stößt die Gewaltigen vom Thron und erhebt die Niedrigen. Die Hungrigen füllt er mit Gütern, und die Reichen lässt er leer ausgehen.“

Das schafft er, indem er manchmal anders kann und tut, als wir Menschen denken: Der Arme wird reich und der Reiche arm. Ausgestoßene bekommen Anerkennung und Überhebliche stürzen tief. So ganz anders, als sie dachten und planten. – Wir erleben es immer wieder. Gott kann das, ohne das wir etwas dazu tun. Einfach so.

Aber er kann und möchte das auch mit uns tun: Gerechtigkeit schaffen in dieser Welt. Denn das ist es ja, was Maria da in ihrem Lobgesang formuliert. Die Unterschiede zwischen Reich und Arm verringern. Den Schwachen Anerkennung verschaffen und Chancengerechtigkeit für alle. Auch wenn Gott das ganz allein kann und manchmal auch tut; ganz raus aus der Sache sind wir nicht.

Bei der Geburt von Jesus war es nötig und gut. Aus dem Allerärmsten, aus der Unmöglichkeit König zu werden aus dem Stall von Bethlehem heraus konnte es nur so gehen, wie mit Maria, Joseph und Jesus als Erstgeborener einer werdenden Großfamilie.

Gott kann anders, als wir Menschen so denken. – Und möchte, dass wir manchmal anders reden und handeln, als wir oft so denken. Über unseren eigenen Schatten springen. Vertrauen haben. Und Zutrauen, dass Gott es gut mit uns meint. Und mit den anderen auch. Dass er keinen verstößt, und keine Unterschiede macht: Kein Reich und Arm, kein gebildet oder dumm. Kein helle und keine dunkle Farbe. Wir alle als Kinder Gottes. – Eben anders, als manche gerade in diesen Tagen oft denken oder rufen.

Hören wir auf Maria und ihren Lobgesang, der Lob und Mahnung gleichermaßen ist. Gott kann anders, als wir Menschen oft so denken. – Und das ist gut so. Denn:

„Gott gedenkt der Barmherzigkeit und hilft seinem Diener Israel auf“ – lassen wir diese Barmherzigkeit auch an uns wirken und geben wir sie weiter in die Welt.

 

 

Und der Friede Gottes...

Kategorien Predigten