Veröffentlicht am Mo., 24. Dez. 2018 11:04 Uhr

Nachdem im Jahr 1981 die Friedenskirche in Bergkamen ihren Dienst aufnahm, war natürlich auch hier der feierliche Gottesdienst an Heiligabend einer der Höhepunkte im Kirchenjahr. 

Doch wenn in der Weihnachtsgeschichte von dem Stall in Bethlehem und von der Krippe erzählt wurde, dann mußten die Gottesdienstbesucher schon ziemlich ihre Fantasie strapazieren, denn leider gab es in der Friedenskirche keine Weihnachtskrippe, in der die Szenen der Weihnachtsgeschichte auch visuell dargestellt wurden.

„Da fehlt doch was“, meinte Gemeindemitglied Peter Furche und hatte eine Idee: „Ich will eine Krippe bauen, damit die Kinder mit eigenen Augen sehen können, was damals in dem Stall in Bethlehem geschah.“ Keine Frage, dass Peter Furche mit dieser Idee bei Pfarrerin Ursula Goldmann offene Türen einrannte. Und auch Bildhauerin Giesela Schmidt war von der Idee gleich hellauf begeistert und versprach: „Ich werde dazu die Figuren aus Ton modellieren.“

Wann genau die Krippe zum ersten Mal in der Kirche stand, weiß die Pfarrerin auch nicht mehr: „Anfangs stand die Krippe hinten rechts neben dem Altar an der schmalen Wand und war sofort von einer Traube von Kindern umlagert, die mit großen Augen in dem Stall so einiges zu entdecken hatten, wie Schafe, Ziegen und gackernde Hühner.“ Natürlich durfte auch der Esel nicht fehlen, mit dem Josef und die schwangere Maria nach Bethlehem gekommen waren, um sich hier zählen zu lassen, wie es der Kaiser Augustus befohlen hatte.

„Damals saßen Maria und Josef noch an der Krippe und freuten sich über das neugeborene Jesuskind“, erzählt die Pfarrerin, „und auch die drei Könige aus dem Morgenland standen irgendwann staunend und beglückt um die Krippe herum.“ 

Doch dann wurde allen schnell klar, die Weihnachtsgeschichte hat noch viel mehr spannende Szenen. Folglich mußte die Weihnachtskrippe nun in eine größere Ecke umziehen, wo auch gleich der ganze Hügel von Bethlehem entstand und sich einige Geschichten aus der Bibel abspielen sollten.

So bringt ein Hirte das verlorene Schaf zurück zur Herde, am Dorfbrunnen sind zwei Frauen in ein lebhaftes Gespräch vertieft, während hinter ihnen ein kleiner Junge Steine in den tiefen Brunnen wirft. Eine alte Frau bettelt um Almosen, eine junge Mutter hadert mit ihrem Schicksal, eine Backfrau holt aus dem Ofen die fertigen Brote heraus und zwei Männer sind mit einem Fuhrwerk beschäftigt, das sich auf dem steinigen Weg festgefahren hat.

Mitten durch das geschäftige Treiben ziehen unbeachtet ein Mann und seine schwangere Frau mit ihrem Esel von Haus zu Haus, um nach einer Bleibe zu fragen, da sie ja für die Volkszählung ein paar Tage in Bethlehem bleiben müssen. 

Bei den Hirten oben auf der Kuppe geschieht indes schier Unglaubliches, denn gerade ist ihnen der Engel des Herrn erschienen, der ihnen verkündet hat: „Heute ist euch der Retter, der Messias geboren.“ Vor lauter Angst verstecken die Hirten ihre Antlitze, während die drei Könige aus dem Morgenland etwas weiter abseits unbeirrt dem goldenen Stern folgen, der hell über dem Stall leuchtet, in dem gerade Jesus geboren wurde.

Ungefähr zwei Wochen benötigen Küster Mirko Splawski und die anderen Helfer aus dem „Krippenaufbauteam“, um die Krippenlandschaft jedes Jahr bibelgetreu wieder aufzubauen. Doch wenn im Januar das Fest der heiligen drei Könige vorbei ist, dann geschieht auf dem Hügel von Bethlehem mit einem gewaltigen Zeitsprung eine fast schon unheimliche Verwandlung. 

Wie aus dem Nichts ziehen auf einmal die schwerbewaffneten Soldaten von Pontius Pilatus über die Wege in Jerusalem, während sich Jesus ahnungsvoll mit seinen Jüngern im Garten von Gethsemane zum Abendmahl versammelt hat. Auf dem Hügel Golgatha ragen plötzlich drei mächtige Kreuze bedrohlich in die Höhe und am Fuße der „Schädelhöhe“ ist die Grabeshöhle bereits weit geöffnet. Doch das ist eine Geschichte, die in der Friedenskirche dann zu Ostern erzählt wird.

Fotos von der Krippenlandschaft gibt es in der Galerie Krippenlandschaft in der Friedenskirche.

Klaus-Dieter Hoffmann / KDH / 20.12.2018

 

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