Veröffentlicht von Frank Hielscher am Fr., 28. Dez. 2018 08:20 Uhr

Joh. 1,1-5.9-14.16-18

Liebe Gemeinde, liebe Schwestern und Brüder,

was heißt Weihnachten? Was feiern wir heute eigentlich? – Ein allgemeines Konsum-Fest? – Bestimmt nicht. – Ein Friedensfest, mag vielleicht der ein oder andere meinen. Auch nicht richtig. – Dass uns bewusst werden soll, dass die Zeit, die wir uns für andere Menschen nehmen, das Kostbarste ist, was wir schenken können; wie ich in einem nett gemeinten Weihnachtsgruß lesen konnte. – Nein, das ist es auch nicht. 

Was feiern wir denn dann? – Wir feiern, dass Gott Mensch geworden ist. – So kurz, aber gar nicht so einfach.

Lukas hat es damit versucht zu erklären, dass Gottes Geist über die Jungfrau Maria gekommen ist, und daraus ein Menschenkind wurde. – Was das für uns zu bedeuten hat, habe ich gestern in der Christvesper versucht für uns deutlich zu machen. 

Matthäus war, was das betrifft, ein wenig unentschlossen,  und Paulus war es wichtig, dass Gott sich eine ganz normale Frau und ein ganz normales Kind genommen hat (nichts von Jungfrauengeburt) und in dieser gänzlich menschlichen Person sich selbst der Welt gezeigt hat.

Dass Gott Mensch geworden ist... – Dumm nur, dass da wirklich so recht keiner bei war. Jesu Mutter hat nichts aufgeschrieben oder weitergesagt. (Wie heißt es im Lukas-Evangelium: Sie behielt alle diese Worte in ihrem Herzen.) – Und auch von Joseph oder anderen, die vielleicht dabei waren, hören und lesen wir nichts. – 

Johannes versucht auf seine Weise sich und den Menschen, denen er schrieb, dieses Wunder zu erklären: Johannes und seine Gemeinde /oder Gemeinden leben etwa zwei bis drei Generationen nach Tod und Auferstehung von Jesus. Zeitzeuge war also keiner von ihnen. Sie waren Christen oder wollten es werden und versuchten sich zu erklären wie es sein konnte, dass Gott Mensch geworden ist. Johannes und seine Gemeinden waren stark vom hellenistischen Denken, also der griechischen Philosophie geprägt. Ein Denksystem, dass Gott, Götter und Welt versuchte zu erklären. Woher die Welt kam und auch wir Menschen. Warum Dinge geschehen. Oder auch nicht. Wie alles zusammenhängt. Und ob es ein Ziel gibt: Für jeden Einzelnen oder die Welt insgesamt. 

Die Griechen hatten für all das ein Wort: Logos. Der Logos war, was die Welt im Innersten zusammenhält, wie es Goethes Faust auch schon wissen wollte. – Für die Griechen war es der Logos. Heute würde man vielleicht sagen: Das Naturgesetz. Oder die Naturgesetze. Vom Urknall bis zum Verglühen der Galaxien. Warum eine Feder zu Boden sinkt und ein Stahlkoloss fliegen kann. Warum aus Samen- und Eizelle Leben entsteht. Und warum alles Leben auf dieser Welt einmal ein Ende hat. – Alles vom Logos gesteuert. Initiiert. Geplant und geregelt. – Der Logos als logische Welterklärung. – Nicht alle Griechen glaubten an Götter.

Und dieser Logos hat eine einfache deutsche Übersetzung: Wort. Der Logos – das Wort.

Am Anfang war das Wort, der Logos, wie Johannes schreibt. Ihr habt recht, ihr Griechen. Die Welt ist nicht aus Zufall entstanden, sondern durch Plan mit Ziel. Am Anfang war der Logos. Das Wort. Aber – und jetzt kommt’s – der Logos, das Wort war bei Gott. Und Gott war das Wort. – Ihr habt es nur noch nicht richtig erkannt. Gewusst. – Und jetzt könnt ihr’s glauben. – 

Denn: „Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist.“ – Gott und Wort sind eins. Das kann man schon in der 1. Schöpfungserzählung lesen: Gott und sein Wort reichten, um die Welt zu erschaffen.

Das Johannesevangelium beginnt also als Schöpfungserzählung, als Glaubensbekenntnis, dass Gott die Welt und die Menschen geschaffen hat.

Und geht dann weiter mit Weihnachten, der Menschwerdung Gottes: Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.“

Dass Gott Mensch geworden ist... Aus Wort wurde Fleisch, aus Gedanken ein sterbliches Wesen. Das Wort ward Fleisch.

Wie – das lässt allerdings auch Johannes im Dunkeln. Es ist und bleibt ein großes Geheimnis. DAS Weihnachtsgeheimnis überhaupt. Die Heimlichkeiten hier bei uns rund um das Weihnachtsfest sind Hinweise darauf, dass eben nicht alles vor uns offen und klar liegt.

Dass Gott Mensch geworden ist...

Wie das geschah, hören und erzählen wir immer wieder gerne in den Geschichten und Legenden, die uns in der Bibel und an vielen Stellen überliefert worden sind. Vom 4. König und kleinem Stern. Von Wanderern, die an der Krippe vorbei kamen, oder vom Esel, der sprechen konnte.

Dass Gott Mensch geworden ist...

Den Griechen mit Logos erklärt, den Juden mit Messias, den Heiden mit König.

Und alles mit dem Ziel, diese Menschwerdung als Beginn von etwas ganz Neuem zu erklären und zu deuten: „Gnade und Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden. Niemand hat Gott je gesehen; der Eingeborene, Mensch-Gewordene, der Gott ist und in des Vaters Schoß ist, der hat es verkündigt.“

Dass mit dem Kommen von Jesus, und dass sich Gott gleich gemacht hat mit ihm, Gott und Menschen nicht mehr wirklich getrennt sind. Gott schaut mit Liebe auf uns und weiß, was unser Leben ausmacht. Er hat dem Tod ins Auge geblickt und ihn besiegt. Er hat uns die Tür ins Himmelreich geöffnet, den Weg gebahnt, der Cherub nach Hause geschickt.

Das ist Weihnachten. Der Beginn von allem. Von Neuem. Von der Sichtbarkeit der Gnade Gottes für alle Menschen. Für die Griechen und Juden. Für die Heiden. Für uns. Ohne Unterschied von Alter, Geschlecht, Rasse, Herkunft oder Stand.

Das Wort ward Fleisch. – Für alle. Für uns. – Oder kurz gefasst: Wir dürfen Weihnachten feiern. – Amen.

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