Veröffentlicht von Frank Hielscher am Mo., 7. Jan. 2019 08:59 Uhr

6. Januar 2019

Liebe Gemeinde, liebe Schwestern und Brüder,

was hat eine Legende mit unseren Weihnachtsgeschenken gemeinsam? – Nun, dass ein wichtiger Inhalt in viel Papier, Schleifen, Deko und was es sonst noch so gibt, eingewickelt wird, manchmal so weit, dass man sich kaum traut, das Geschenk auszupacken oder beim Auspacken das eigentliche Geschenk ganz übersieht. – Bei uns waren es zwei 50-Euro-Scheine...

Nun, so ein Geschenk, ist unser heutiger Predigttext. Und wir haben eine Legende darauf gemacht.

Fangen wir mal mit dem Stern an:

Astronomie und Astrologie waren in der Antike hoch geschätzte Wissenschaften. Und zwar Wissenschaften auch in unserem Sinn. Es ist erstaunlich und bewundernswert, wenn man erkennt, mit welch einfachen Mitteln schon vor 2.000 Jahren der Lauf der Sterne verfolgt und vorhergesagt werden konnte. Antike Sternenkarten aus Babylonien und Ägypten zeigen, welche wesentlichen Erkenntnisse über die Gesetze der Sternenbahnen die antike Astronomie gewonnen hatte. Eine besondere Konstellation der Planeten Jupiter und Saturn im Sternbild der Fische war ein herausragendes Ereignis, dass sie zur Zeit der Regentschaft des Herodes registrieren und beobachten konnten.

Soweit die Wissenschaft. – Dazu kam dann noch die Vorstellung / der Glaube / die Legende, dass es eine Verbindung von Astrologie und Astronomie gäbe, die auch heute noch im Schreiben und Lesen von Horoskopen ihre Freunde und Anhänger findet.

Ein Stern, ein Sternenbild, das aus dem Alltäglichen heraus stach und auf etwas Herausstechendes hinweisen musste: Die Geburt eines Königs, das Geschenk an die Menschen.

Kommen wir zu den Heiligen Drei Königen: Das ist, um es vorweg zu nehmen, das Geschenkpapier drum rum, das uns die Sicht auf das Eigentliche versperrt.

Könige – waren es nicht. Oder habt ihr im Text das Wort „Könige“ gehört? Zu Königen wurden sie, weil sie königliche Geschenke dabei hatten und am Königshof empfangen wurden. Weise waren es. Sterndeuter. Astronomen. Astrologen. Wissenschaftler. –– Schade auch.

Und drei waren es auch nicht. „Da kamen Weise aus dem Morgenland“, heißt es. Wie viele es waren, steht da nicht. Sie brachten drei Geschenke mit. Aber an der Zahl der Geschenke ließ sich noch nie die Zahl der Schenkenden bestimmen. – Eine kurze Erinnerung an Weihnachten wird dies bestimmt bestätigen.

Keine Drei. Keine Könige. Und Heilige waren es auch nicht. – Konnten sie gar nicht sein. Kamen sie doch aus dem heidnischen Morgenland und hatten mit dem Gott der Juden nicht das geringste am Hut. Allein die Sternenkonstellation hatte ihre Neugierde geweckt und sie hatten sich aufgemacht.

Kein Caspar. Kein Melchior. Kein Balthasar. – Nicht zwei weiße und ein schwarzer König. Viel Legende um eine Geschichte drum rum, die schön ist, ohne Zweifel, aber den Blick auf das Wesentliche behindern kann.

Was ist aber das Wesentliche?

Schauen wir noch einmal genau hin: Da machen sich Wissenschaftler auf dem Weg um etwas Besonderes zu entdecken, zu dem es Hinweise aus ihren Forschungen gibt. Sie halten sich fest an Theorie, Erkenntnis und Tradition, weil sie in Judäa angekommen sich natürlich auf den Weg in den Königspalast machen, weil ja nur dort ein König geboren werden konnte.

Und sie liegen falsch! – Alles Wissen, alle Logik, aller Verstand hat sie auf den richtigen Weg aber nicht ans Ziel geführt. – Knapp daneben ist eben auch vorbei.

Erst mussten sie sich auf die biblischen Verheißungen besinnen – „Und du, Bethlehem im Lande Juda, bist mitnichten die kleinste unter den Fürsten Judas; denn aus dir wird kommen der Fürst, der mein Volk Israel weiden soll.“ Wie man beim Propheten Micha im 5. Kapitel lesen kann. – Was sie taten und sich neu auf den Weg machten. Von Jerusalem nach Bethlehem, noch einmal etwa 10 km in südliche Richtung. Dort der Stall (oder das Haus, wie es bei Matthäus heißt) in dem der König, dieser ganz besondere König geboren worden war.

Die Heiligen Drei Könige und der Stern von Bethlehem – eine schöne fromme Legende, die uns den Blick auf den Kern und die wesentliche Botschaft verdecken kann.

Noch einmal: Was ist das Wesentliche? – Und was heißt das für uns?

Das Wesentliche ist, dass alles Wissen und alle Erkenntnis nicht wirklich zur Gotteserkenntnis führen. Wissen und Erkenntnis hat Menschen auf den Weg hin zu Gott gebracht, aber für den letzten Schritt brauchte es Gottes Wort selbst, das sie ans Ziel führte. Ohne das Besinnen auf die Worte des Micha aus der Bibel wären die Weisen aus dem Morgenland in Jerusalem stecken geblieben und hätten Gott, der Mensch geworden war, nicht gefunden.

Und da sind wir bei uns selbst: Wissen, Verstand und Erkenntnis kann uns auf den Weg zu Gott führen. Im vorvergangenen Jahrhundert gab es eine ganze Bewegung unter den Theologen, die meinten, dieser Weg führe auch zum Ziel: Sie wollten und meinten, das würde funktionieren, man können Gott aus und in der Natur finden. Die Wunder der Schöpfung im Großen wie im Kleinen würden eindeutig auf einen Schöpfer hinweisen. Man müsse nur genau genug hinschauen, und schon würde man Gott kennen, erkennen und glauben.

Das ist ihnen genauso wenig gelungen wie den Weisen aus dem Morgenland. Wissen und Erkenntnis führt auf den Weg aber nicht zum Ziel. Auch heute nicht, wenn Menschen meinen, im Wald, am Strand oder auf den Bergen Gott näher zu sein als dort, wo man Gottes Wort hört, liest, diskutiert und dann in sich wirken lässt. Die Schau der Natur führt vielleicht zur Gänsehaut, die für viele heute Maßstab von so vielem ist – aber sie führt nicht zum Glauben. Nicht zum Schauen. Und auch nicht zum Handeln, was Gott von uns möchte.

Die Weisen aus dem Morgenland haben, nachdem sie den Gottessohn gesehen und ihm Geschenke gebracht hatten, dann gehandelt, wie Gott es ihnen gesagt hatte: „da ihnen im Traum befohlen wurde, nicht wieder zu Herodes zurückzukehren, zogen sie auf einem andern Weg wieder in ihr Land.“

Das ist der Kern der Legende, was wir bei allem Frommen, das wir da noch drum rum gepackt haben, hören und aufnehmen sollten und dürfen:

Verstand nicht ausschalten. Wissenschaft nicht als Gegensatz zum Glauben betrachten. Aber bei allem auch auf Gottes Wort hören. – So wie wir heute. – Damit wir und die Welt im Lichte der Erkenntnis nicht das Licht der Weihnacht übersehen. – Amen.

 

 

Und der Friede Gottes....

Kategorien Predigten