Veröffentlicht von Frank Hielscher am Mo., 9. Sep. 2019 16:00 Uhr

Rund zwei Jahre haben die 25 Akteure und kreativen Köpfe des Theaterensembles „Ge(h)meinsam“ aus der Evangelischen Friedenskirche Bergkamen an ihrem neuen Bühnenwerk geplant, geprobt und gefeilt. Herausgekommen ist nun etwas, das alles Bisherige in den Schatten stellen dürfte. Am Donnerstagabend ging mit den „Fabelhaften Abenteuern der Molly Malone“ im Martin-Luther-Haus in Weddinghofen die umjubelte Premiere über die Bühne.

Angelehnt an die Geschichte des „Zauberers von Oz“, haben Drehbuchschreiber Ingo Rademacher und Regisseurin Johanna Penzek die über einhundert Jahre alte amerikanische Geschichte mit viel Witz und Situationskomik nicht nur neu und in ihrer eigenen Version erzählt, sie haben kurzerhand sogar ein mitreißendes Musical daraus gemacht. Und nicht nur das, viele Themen, die im Kinderbuch noch tabu waren, werden hier unaufdringlich und mit viel Humor zur Sprache gebracht.

Das Geschehen haben die Macher in geschickter Weise einfach mal von Kansas nach Irland verlegt. Wahrscheinlich, weil die irischen Balladen sich sowieso besser eignen, um irgendwelche Geschichten zu erzählen. Hierzu haben Rademacher und Penzek auch so einige irische Ohrwürmer mit neuen und zum Bühnengeschehen passenden Texten versehen. So wurde aus dem „Whisky in the Jar“ mal kurzerhand „Es geht mir auf den Zwirn“, aus dem „Wild Rover“ wurde „Denn ich bin ein Blechmann“.

Insbesondere bei den pfiffig-bunten Kostümen hat sich Kostümbildnerin Karin Knehans mächtig ins Zeug gelegt. Die Kulissen vom irischen Pub, über den spukenden Wald bis hin zu „Ingos Beauty Palace“ stammen natürlich wieder aus den Werkstätten der Bergkamener Jugendarbeit. 

Allein der Titel des Musicals „Das fabelhafte Abenteuer der Molly Dorothy Malone aus Galway nach OZ“ lässt schon ahnen, wohin die Reise gehen soll. So wird aus der Dorothy Gale aus dem Original kurzerhand die Molly Dorothy Malone, die sich auf den langen Weg von Galway nach Oz macht, um ihren Hund Toto zu retten und dabei viele fabelhafte Abenteuer erlebt. 

Natürlich trifft sie dabei die vielen bekannten Gestalten, die alle irgendein Problem mit sich herumtragen. So hat die Vogelscheuche statt Verstand nur Stroh im Kopf und daher größte Angst vor Streichhölzern. Paddy der Blechmann quietscht und rostet an allen Ecken und möchte einfach auch mal ein Herz haben, um seine Gefühle zeigen zu können. Das Porzellanmädchen hat natürlich zu allem eine zickige Erklärung und vielleicht zerbrechen deshalb ihre Freundschaften immer wie Porzellan. Am Ende gesellt sich dann auch noch der garstige Löwe zu der illustren Gruppe, der zwar laut brüllen kann, aber eigentlich keinen Mut besitzt.

In absolut professioneller Weise verkörpern, sprechen und singen die „Laiendarsteller“ die bunten Märchengestalten, begeistern mit gekonnter Mimik und wenn es sein muß, auch filmreifer Action. Für die instrumental-stimmungsvolle Begleitmusik sorgen natürlich wieder Simon Knehans und Heinz Stefka mit Klavier, Geige, Gitarre und Gesang aus dem „Off“, Klaus Wächter begleitete hingegen bei der „Haifischbar-Polka“ die giftige „Südhexe Glinda“ perfekt auf der Gitarre und lieferte am Ende auch noch ein beeindruckendes Soli als trauriger Löwe. Doch wie es in guten Märchen so läuft, am verblüffenden Schluß wird natürlich für alle alles gut. 


Klaus-Dieter Hoffmann / KDH / 05.09.2019

 

PS: Im November und auch beim Bergkamener Theaterfestival im März 2020 wird das Stück noch einmal aufgeführt.

Kategorien Jugendarbeit