Veröffentlicht von Frank Hielscher am Sa., 2. Nov. 2019 10:53 Uhr

Während sich der Tag vor Allerheiligen allerorten immer mehr zu einem sinnfreien Halloween entwickelt, hatten die beiden Bergkamener evangelischen Kirchengemeinden nun am selbigen Donnerstagabend in das Martin-Luther-Haus nach Weddinghofen eingeladen, um das Reformationsfest mit einem außergewöhnlichen Luther-Konzert zu würdigen.

„Als die „Playfords“ zum fünfhundertjährigen Reformationsjubiläum ihre neue CD „Luther tanzt“ herausbrachten, war ich von dem Konzept gleich begeistert“, erzählte Pastor Reinhard Chudaska den vielen Zuhörern im Saal. Denn bei diesem Album handelt es sich keineswegs nur um Lieder, die im evangelischen Gesangbuch stehen, es ist zugleich eine Spurensuche.

Und als Chudaska dann seine Bergkamener Pastorenkollegen fragte, ob man denn nicht mal die Weimarer Renaissance-Band nach Bergkamen einladen könne, erntete er natürlich durchweg Zuspruch. Dank der Kooperation mit dem Kulturamt der Stadt Bergkamen und der Sparkasse stand dem Konzert jetzt nichts mehr im Wege.

Schon allein die vielen exotisch anmutenden Musikinstrumente auf der Bühne ließen erahnen, dass die musikalische Reise in längst vergangene Zeiten gehen sollte. Wen wundert’s, dass es sich dabei überwiegend um Saiteninstrumente handelte, schließlich war Martin Luther doch ein leidenschaftlicher Lautenist, Orgelmusik war ihm ja verpönt.

So hatte denn auch Erik Warkenthin gleich ein ganzes Arsenal an außergewöhnlichen Lauten dabei, von der fast schon zierlichen Barockgitarre bis hin zur riesigen Chitarrone für die eindrucksvollen Bässe. Nicht minder exotisch die siebensaitige barocke Viola da gamba, die von Benjamin Dreßler hervorragend spielte, während Flötistin Annegret Fischer aus diversen mittelalterlichen Blockflöten sanfte und gefühlvolle Flötentöne herauszuzaubern verstand. 

Mit Nora Thiele stand hingegen zugleich eine führende Perkussionistin Europas auf der Bühne, die bei diesem Konzert mit Landsknechttrommel, Tamburello und Kastagnetten immer den perfekten mitreißenden Rhythmus fand. Das Weimarer Quintett komplett machte dann der an vielen Konzertbühnen gefragte Tenor Björn Werner, der zudem auch so einige humorvolle Anekdoten über Martin Luther’s mitunter robuste Lebensweisheiten parat hatte.

So empfahl dieser einst wohlwissend: „Wenn du eine Frau suchst, die zugleich klug, schön, reich und fromm sein sollte - dann lass sie dir malen.“ Auch wusste der Feinschmecker Luther auf der ihm eigenen derben Art zu erklären, wie man am besten der Melancholie entkommen oder gar dem Satan wiederstehen konnte.

Bei ihren musikalischen Recherchen machten sich die fünf Musiker insbesondere auf die Suche nach den weltlichen Wurzeln der Lieder aus dem evangelischen Gesangbuch. So wurde das von Hans Leo Haßler komponierte Liebeslied „Mein G’müt ist mir verwirret“ mehrfach verändert, bis es von Paul Gerhard den Text „O Haupt voll Blut und Wunden“ erhielt. 

Ebenso wurde aus dem Abschiedslied „Innsbruck ich muß dich lassen“ irgendwann das Sterbelied „Oh Welt ich muß dich lassen“. Fast nicht mehr auf ihren Stühlen halten konnten sich die Zuhörer, als die „Playfords“ dann das temperamentvolle italienische Lied „Fuggi, Fuggi, Fuggi“ von Giuseppe Cenci anstimmten.

Dass sie zudem auch die hohe Kunst des vielstimmigen harmonischen Kontrapunktes beherrschen, bewiesen die fünf Ausnahmemusiker mit dem Lied „Die beste Zeit ist mein“, welches nicht nur nahtlos in das Lied „Nu freut euch lieben Christen gmein“ überging, sondern auch mit einem beindruckenden fünfstimmigen Choral aller fünf Musiker endete. Keine Frage, dass das begeisterte Publikum am Ende auch noch zwei Zugaben von den exzellenten Musikern einforderte. 

 

Klaus-Dieter Hoffmann / KDH / 31.10.2019

Kategorien Kirchenmusik

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